Man muss Honda auf die Schulter klopfen: Statt einen legendären Namen für eine SUV-Kreation zu recyceln, führen die Japaner die Prelude-Tradition tatsächlich fort und bringen wieder ein bildschönes, zweitüriges Coupé. Allein das ist heutzutage schon bemerkenswert, denn bezahlbare Coupés sind zur seltenen Spezies geworden. Beim Antrieb darf man dagegen durchaus diskutieren: Das Hybrid-System stammt 1:1 aus dem normalen Civic. Technisch sinnvoll, emotional vielleicht nicht ganz so spektakulär. Dafür gibt es beim Design kaum Anlass zur Kritik. Flache, fliessende Linien, klassische Sportwagen-Proportionen und keine übertriebenen Aggro-Elemente ergeben ein ausgesprochen stimmiges Gesamtbild.

Beim Einsteigen folgt dann allerdings ein kleiner Déjà-vu-Moment. Das Cockpit ist praktisch aus dem Civic bekannt, wobei Honda immerhin ordentliche Sportsitze mit gutem Seitenhalt spendiert. Der Beifahrersitz lässt sich jedoch nicht in der Höhe verstellen. Wer nicht gerade japanische Durchschnittsmasse mitbringt, sitzt deshalb ziemlich hoch unter dem Dach. Auf der Fahrerseite passt dagegen alles. Hübsche Details wie der verspielte Prelude-Schriftzug auf dem Armaturenbrett und die 0-Uhr-Markierung am Lenkrad sorgen für etwas Eigenständigkeit. Dass Honda beim Interieur auf den Civic zurückgreift, kostet zwar Charakter, dürfte aber einen wichtigen Beitrag zur Preisgestaltung leisten.

2025 Honda Prelude

Hochwertiges Cockpit, furchtbares Infotainmentsystem

Ansonsten gibt es im Innenraum erstaunlich wenig zu meckern. Die Ergonomie ist hervorragend, die Bedienung angenehm klassisch und die Klimaanlage verfügt über eine eigene Bedieneinheit mit richtigen Knöpfen. Für ein Coupé geht es vorne zudem erstaunlich luftig zu. Die Rückbank ist eher Gepäckablage als Sitzplatz, dafür überrascht der Kofferraum mit ordentlich Volumen. Bei umgelegter Rückbank passt sogar ein kompletter Reifensatz hinein. Auch bei Verarbeitung und Materialqualität liefert Honda ab: Hier fühlt sich vieles erstaunlich hochwertig und premium-mässig an.

Und dann schaltet man das Infotainment ein. Willkommen im Jahr 2016. Das kleine Display reagiert träge, das Navi arbeitet lahm, die POI-Daten sind lückenhaft und Live-Verkehrsdaten oder moderne Online-Dienste sucht man vergeblich. OTA-Updates? Fehlanzeige. Die Sprachsteuerung ist ebenfalls praktisch unbrauchbar. Das Ganze ist für ein neues Auto schlicht peinlich und eigentlich nur dann zu ertragen, wenn man ohnehin Apple CarPlay oder Android Auto nutzt.

2025 Honda Prelude

Softer Sportler

Wer den Prelude wie einen Type R durch die Kurve prügeln möchte, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Fahrwerk taucht ordentlich ein, ohne Sperrdifferenzial schiebt die Vorderachse ins Untersteuern und auch die Lenkung könnte mehr Feedback liefern. Wer am Berg dann noch beherzt aufs Gas steigt, bekommt mit den 135 kW Systemleistung die nächste Ernüchterung. Unsportlich ist der Prelude deshalb aber nicht, er will einfach anders gefahren werden: Zuckerbrot statt Peitsche.

Für echte Fahrfreude ist ein runder Fahrstil gefragt. Spät und hart anbremsen, die Kurve mit Gewalt erzwingen und anschliessend auf der Geraden alles geben ist nicht sein Ding. Vielmehr gilt es, den Schwung mitzunehmen und das gute Fahrwerk arbeiten zu lassen. Dieses teilt sich einige Gene mit jenem des Civic Type R, ist aber deutlich komfortabler abgestimmt. Dazu kommen eine überzeugende Bremse mit tollem Druckpunkt und ein Adaptivfahrwerk mit angenehmer Spreizung. Der Hybrid liefert beim Antritt dank Elektromotor ordentlich Schub, bei längerer Beschleunigung geht ihm jedoch die Puste aus. Dafür wiegt der Prelude nur 1470 Kilogramm und fühlt sich entsprechend leichtfüssig an. Wer ihn durch Kurven tanzen lässt, statt ihn ans Limit zu prügeln, wird mit mehr Fahrspass belohnt.

Für etwas mehr Feeling beim Fahren gibt es den S+-Modus, der dem stufenlosen Getriebe virtuelle Gänge verpasst und einen Drehzahlmesser einblendet. Das Schönste daran sind aber die gefrästen Aluminium-Schaltpaddles. Das virtuelle Schalten selbst überzeugt weniger. Die simulierten Gangwechsel wirken ziemlich generisch und wählt man einen virtuellen Gang zu hoch, wird der Prelude plötzlich zur Wanderdüne. Gelungen ist dagegen das manuelle Herunterschalten mit künstlich verstärktem Zwischengas. Nur suggeriert das System damit das Gefühl eines bissigen Sportwagens, dass der Prelude halt nicht ist.

2025 Honda Prelude

Keine Konkurrenz vorhanden

Der Honda Prelude ist ein kleiner Freudenspender: leichtfüssiges Handling, schönes Design und eine Qualität, die man in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet. Er richtet sich allerdings eher an Genussmenschen als an eingefleischte Petrolheads. Kurven darf man durchaus zügig nehmen, nur sollte man dabei etwas Gefühl walten lassen. Seine ganz eigene Freude bereitet der Prelude an der Zapfsäule: 5,5 l/100 km im Test sind ein ziemlich starkes Argument. Der sparsame Hybrid dürfte damit nicht nur beim Verbrauch, sondern generell deutlich günstiger im Unterhalt sein als ein Type R.

Mit Vollausstattung kostet der Prelude 48’890 Franken. Eine echte Konkurrenz gibt es ohnehin kaum, und für das Geld bekommt man erstaunlich viel Auto. Vielleicht braucht es einfach wieder mehr Autos, die nicht ständig etwas beweisen wollen, was sie gar nicht sind. Wenn es einen riesigen Markt für Frontantriebs-SUVs ohne jede Offroad-Ambition gibt, dürfte schliesslich auch Platz für einen Sportwagen sein, der keinen Rennfahrer spielen will.