So richtig neu ist der Cupra Leon eigentlich nicht. Doch die Überarbeitung sorgt vor allem unter dem Blech für eine überraschende Neuerung. Der hier gezeigte Sportstourer VZ erhielt im Rahmen des Facelifts vor allem die neue Designsprache der Marke. Die markante Front wirkt dabei etwas überzeichnet, während das Lichtdesign mit den drei pyramidenförmigen Elementen sowie das beleuchtete Cupra-Logo am Heck für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Hinzu kommen neue Lackierungen und Felgendesigns. Im Innenraum zeigt der Leon hingegen sein Alter. Das Cockpit wirkt sachlicher und weniger eigenständig als in den neuesten Cupra-Modellen. Kupferfarbene Akzente sorgen zwar für Markenbezug, insgesamt bleibt das Ambiente aber eher nüchtern. Die Verarbeitung überzeugt, die Materialqualität fällt dagegen einfacher aus.

Zu den Highlights zählt das Infotainmentsystem mit schnellen Reaktionszeiten, ausgezeichneter Sprachsteuerung und präziser Navigation. Als Sportstourer liegen die Stärken jedoch woanders. Die tiefe Sitzposition sorgt für eine hervorragende Ergonomie, während auch die Platzverhältnisse im Fond überzeugen. Der Kofferraum punktet mit einer grossen, gut nutzbaren Ladefläche, tiefem Ladeabteil und niedriger Ladekante. Umso erstaunlicher, dass viele Käufer nach wie vor unterschätzen, wie viel praktischer der Leon gegenüber den Cupra-SUVs ist.

Viel Komfort, viel Schub

Typisch für schnelle Modelle aus dem Volkswagen-Konzern: Im Comfort-Modus spürt man vom happigen Aufpreis für die Topversion zunächst wenig. Das adaptive Fahrwerk federt komfortabel, die Lenkung arbeitet leichtgängig und der Antrieb hält sich zurück. So fährt sich der Leon in erster Linie wie ein komfortabler Kombi mit hoher Langstreckentauglichkeit. Positiv: Die lästigen Assistenzsysteme lassen sich schnell deaktivieren. Für den Vortrieb sorgt der bekannte 2,0-Liter-Turbomotor, der im allradgetriebenen Leon nun 245 kW leistet. Seine Leistungsentfaltung ist geschmeidig, aber wirkungsvoll: leichtes Turboloch, kräftiger Durchzug im mittleren Drehzahlbereich und starker Schub bis in die Spitze.

Zwar bleibt der Motor emotional eher zurückhaltend, für beeindruckende Fahrleistungen reicht das aber allemal. Im Cupra-Modus spricht er spontaner an, während das DSG blitzschnell und nahezu unmerklich die Gänge wechselt. Technisch ist das beeindruckend, emotional jedoch etwas distanziert. Seinen sportlichen Charakter zeigt der Leon erst in den Fahrmodi Sport und insbesondere Cupra. Mit der passenden Drehmomentverteilung an der Hinterachse und ESP im Sport-Modus präsentiert sich der Kombi von einer deutlich dynamischeren, neuen Seite!

Präzise oder quer

Wer es mit einer entsprechenden Fahrweise sucht, kann den Cupra Leon VZ locker zu einem Slide bewegen. Dazu braucht es weder einen Drift-Modus, noch eine extrem aggressive Fahrweise. Einfach früh ans Gas in der Kurve und der im Cupra-Modus überraschend hecklastige Allradantrieb macht den Rest. Nicht heimtückisch überraschend, sondern gut ankündigend, wenn Gasstellung und Lenkwinkel in der Kurve das möchten. Wenn nicht, dann fährt der schnellste Leon Kombi fein säuberlich seine Linie.

Dass sich die Modelle von VW, Audi und Cupra technisch immer näherkommen, ist längst kein Geheimnis. Gerade deshalb spricht beim Leon Sportstourer VZ vieles für den Cupra. Er bietet die gleiche Leistung, eine vergleichbare Fahrdynamik und überzeugt mit seinem agilen Fahrverhalten. Der heckbetonte Allradantrieb lädt zwar zu spielerischen Drifts ein, bleibt mit aktiviertem ESP aber jederzeit gut kontrollierbar. Schade nur, dass dem Leon die optionale Akrapovič-Abgasanlage verwehrt bleibt und der Klang entsprechend zurückhaltend ausfällt. Dem gegenüber steht jedoch ein überzeugendes Preisargument: Der Testwagen kostet rund 66’000 Franken und liegt damit mehr als 10’000 Franken unter den technisch eng verwandten Pendants von VW und Audi. Ein Unterschied, der sich nur schwer ignorieren lässt.