
Subaru WRX: Einsamer Wolf
Der Subaru WRX hat nicht nur hinsichtlich Motorsport eine lange Tradition, sondern war auch hierzulande ein Verkaufsschlager. Der sportliche Subaru, im Volksmund gerne als «Bauernporsche» bezeichnet, war ein festes Bild des hiesigen Strassenbildes. Doch seit rund 10 Jahren ist Schluss damit – die europäische Gesetzgebung hat Subaru de facto gezwungen, den Import des Modells zu stoppen. Doch jüngst ist wieder ein Subaru WRX erhältlich und zwar über den freien Importeur all.cars. Allein seine Schweizer Existenz ist bereits Anlass zur Freude, doch das Fahrgefühl übertrifft die Vorfreude bei weitem. Nicht die schiere Kraft sorgt für ein Dauergrinsen, sondern die Art und Weise, wie man im Subaru WRX fährt und was für ein Feedback man dabei vom Auto bekommt. Rein optisch braucht es nicht viele Worte. Nicht nur Fans erkennen den Sportler unter den Subarus sofort. Wobei erwähnt werden muss, dass hier nicht die ultimative Eskalationsstufe STi vor uns steht, wie damals bei den offiziell von Subaru importierten Modellen. Stattdessen handelt es sich um den etwas zahmeren WRX, was optisch höchstens am fehlenden Heckspoiler auffällt.

Gutes bewahrt
Das Subaru-Modell, dessen Interieur einen Designpreis verdient, muss wohl erst noch entwickelt werden. Auch der WRX gibt sich typisch markentreu und verzichtet auf optische Spielereien. Velourseinlagen sorgen für etwas Wohnlichkeit, die Recaro-Sitze treffen mit ihrem Retro-Look ins Schwarze. Ein Highlight ist zudem der mechanische Handbremshebel mit titanblauem Knopf. Haptik und Verarbeitung sind solide, die eigentlichen Stärken des WRX liegen aber anderswo. Die Platzverhältnisse fallen grosszügig aus, sodass auch grosse Erwachsene im Fond bequem sitzen. Pluspunkte gibt es zudem für die Bedienung. Statt eines verschachtelten Infotainmentsystems kommt ein sauber integrierter, vertikaler Touchscreen mit grossen Schaltflächen zum Einsatz. Die Klimasteuerung bleibt stets sichtbar und für die Temperatur gibt es weiterhin physische Tasten. Ein fest verbautes Navi fehlt, lässt sich dank Smartphone-Integration aber problemlos ersetzen. Ebenfalls erfreulich: Es gibt keine Assistenzsysteme, die nach jedem Motorstart erst mühsam deaktiviert werden müssen.
Fahrerisch fühlt sich der WRX wie eine Zeitreise in die 2000er-Jahre an. Er grollt und grummelt vor sich hin, alles vibriert leicht und das Fahrwerk kennt keine Kompromisse. Dank der kurzen Übersetzung greift man zudem häufig zum Schalthebel, was dem Fahrspass nur zugutekommt. Ganz ohne Manieren ist der Subaru aber nicht. Das Boxertriebwerk lässt sich erstaunlich gelassen bewegen, auch wenn der Verbrauch erwartungsgemäss nicht zu den Stärken zählt. Dafür bleiben die nervigsten Assistenzsysteme dem US-Modell sei Dank dauerhaft deaktiviert. Der Tot-Winkel-Warner und der Abstandstempomat überzeugen hingegen im Alltag. Weniger gelungen präsentiert sich der Notbremsassistent, der im Test zweimal ohne akute Gefahr eingriff.

Gefühl vor Zahlen
Ein Blick aufs Datenblatt lässt zunächst keine Wunderdinge erwarten: 202 kW und 350 Nm wirken 2026 kaum spektakulär. Auf der Strasse sieht die Sache jedoch anders aus. Das spontane Ansprechverhalten, das kräftige Drehmoment im unteren Drehzahlbereich und die Drehfreude bis zum Begrenzer sorgen immer wieder für gute Laune. Dazu kommt ein Sound, der heutzutage Seltenheitswert besitzt. Der 2,4-Liter-Boxer wirkt herrlich lebendig und erinnert daran, wie viel Charakter etwas mehr Hubraum und der Verzicht auf einen Ottopartikelfilter bringen können. Schade nur, dass bereits bei 6000 Umdrehungen Schluss ist, denn das Potenzial des Motors scheint noch längst nicht ausgeschöpft.
Mit seinem legendären symmetrischen Allradantrieb kennt der WRX Traktionsprobleme praktisch nur vom Hörensagen. Selbst bei voller Beschleunigung bleibt das Auto stoisch auf Kurs. Das Fahrverhalten ist angenehm neutral, auch wenn auf trockenem Asphalt die letzte Portion Schärfe fehlt. Die Lenkung könnte etwas direkter sein und ein Sperrdifferential würde dem Kurventempo guttun. Am Fahrspass ändert das allerdings nichts.Der WRX ist kein messerscharfer Sportwagen, dafür ein herausragender Allrounder. Ob Regen, Schnee oder schlechter Asphalt: Der Subaru vermittelt stets Vertrauen und lädt dazu ein, das Potenzial des Autos auszukosten. Dazu passt die hervorragende Abstimmung, die selbst auf nasser Fahrbahn nur selten Eingriffe des ESP provoziert. Ebenfalls überzeugen die kräftigen Brembo-Bremsen mit festem Druckpunkt und hoher Standfestigkeit.

Einer wie Keiner
Mit einem Preis ab 56’900 Franken zwar kein Schnäppchen, aber fair eingepreist. Immer einzukalkulieren ist der durchwegs hohe Verbrauch des Boxermotors. Wer hin und wieder das Potenzial auskosten, muss stets mit einem zweistelligen Verbrauch rechnen. Natürlich gibt es schnellere Allradler in ähnlichen Preisgefilden – doch sie vermitteln bei Weitem nicht das hemdsärmelige Gefühl, das beim Subaru für so intensiven Fahrspass sorgt. Dieses Auto ist ein echtes Raubein, der das Fahren noch zelebriert und bei schlechter Witterung kein Warnlämpchen aufleuchten lässt, sondern erst so richtig aufblüht.












